Boot 2016

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Auf der weltgrößten Messe für Wassersport in Düsseldorf war Greenpeace auch wieder in diesem Jahr an neun Tagen präsent. Ehrenamtliche Mitglieder aus der Region informierten in der Tauchsporthalle zu Fischereipolitik und zum Plastiknotstand in unseren Meeren. Der noch druckfrische neue Fisch Einkaufsratgeber wurde erfreulich oft nachgefragt und konnte auch praxisnah gleich an leeren Verpackungen getestet werden. In neuer Gestaltung ist der Ratgeber selbsterklärend mit Infos zu Bestandsschutz und Fangmethode. Als Faltblatt oder App erhältlich informiert der Ratgeber den Verbraucher, welche Fischprodukte mit gutem Gewissen im Einkaufskorb landen können. Gilt doch: Wer richtig und bewusst einkauft – leistet seinen Beitrag zum Schutz der Meere. Sind doch generell die Speisefischbestände am Limit oder vielfach schon darüber hinaus beansprucht. Fisch ist eigentlich schon ein Edelprodukt – auch wenn man es selbst noch nicht weiß. Die Zukunft wird uns diese Erkenntnis wohl beim Einkauf vermitteln. So ist zu befürchten, dass Fischen nach Fisch in einigen Jahrzehnten vom Fischen nach Plastik abgelöst wird.

Der Taucher ist im Wasser in seinem Element und zeitweise ein Teil des Lebensraumes unter der Wasseroberfläche. Somit auch unmittelbar mit den Problemen in unseren Meeren konfrontiert. Die Verseuchung unserer Meere mit Plastik in allen Varianten von flächigen/stückigen Teilen bis hin zur Mikroplastik ist nach den Berichten von Standbesuchern allgegenwärtig von Spitzbergen bis in die Tropen. Die Aussteller thematisieren das offiziell nicht auf ihren Ständen und in den Werbebroschüren. Im persönlichen Gespräch jedoch wird die Müllproblematik nicht verschwiegen. So besuchte man unseren Stand doch oft, um Sorgen und Nöte zu erörtern und möglicherweise um Verbündete und Hilfe zu suchen. Tauchen bedeutet heute auch Riffe säubern und treibenden Müll sammeln. Gilt es doch, das jeweilige Revier als Grundlage des Geschäftes auch in Zukunft zu sichern. Doch wer sammelt den Müll nebenan von Riffen, Wracks und der Oberfläche? „Auf der Bootsfahrt zum Tauchrevier einer indonesischen Insel fuhren wir durch Plastik“ – so die Aussage einer Ausstellerin. In der Monsunzeit wird durch anschwellende Flüsse sehr viel Unrat in die See gespült und in der Inselwelt verteilt. Eine Verschmutzung für die nächste Ewigkeit in Jahrhunderten/Jahrtausenden gemessen. Wenn auch nicht mehr sichtbar, so verbleibt dieser Müll doch als Mikroplastik in unserer Umwelt und kehrt bereits jetzt schon über die Nahrungskette zu uns zurück.

Ein spezielles Problem sind Geisternetze – verloren oder illegal entsorgt. Fangen diese Netze doch weiter, was jedoch in keiner Fangstatistik auftaucht. Meereslebewesen und auch Seevögel verheddern und verstricken sich und gehen elendig zugrunde. In Deutschland müssen Netzverluste gemeldet und die Bergung veranlasst werden. Das geschieht aber nicht und so gesellen sich neue Netzverluste zu den der vergangenen Jahrzehnte und fangen immer weiter. Eine Kennzeichnung dieser Netze zwecks Identifikation der Eigner ist technisch möglich – aber von Verbänden und Behörden nicht gewollt. Umweltschutzorganisationen und private Initiativen bergen unter schwierigen Bedingungen inzwischen einige dieser Netze – sehr häufig unter hohem Risiko der beteiligten Taucher. Das Greenpeace Schiff Arctic Sunrise barg 2015 mit Hilfe niederländischer Taucher Netze in der Nordsee und wird diese Aktion in diesem Jahr fortsetzen.

Wer die hier nur kurz angesprochenen Themen im Netz recherchiert – wird mit Hinweisen überhäuft. Das Thema steht im Brennpunkt qualitativer Medien – wäre es doch auch so bei unserem Handeln!

 

Lothar Klingbeil

 

Mehr Informationen findet man hier:

https://www.greenpeace.de/fischratgeber

https://www.greenpeace.de/meeresschutz

http://www.greenpeace.de/themen/meere/fischerei/nachhaltig-geht-anders

http://www.greenpeace.de/themen/meere/brueten-im-abfall

http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-09/ueberfischung-china-weltmeere

http://www.zeit.de/2014/18/ozeane-ueberfischung-muell

http://www.geo.de/GEO/natur/oekologie/todesfalle-plastikmuell-klettereinsatz-am-helgolaender-vogelfelsen-82101.html

http://www.ghostfishing.org/

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