"Der Tod kommt aus dem Schlot"

Fünf Greenpeace-Gruppen in NRW weisen auf eine Studie zu den Gesundheitsbelastungen, die für die Bevölkerung von Kohlekraftwerken ausgehen, hin. Eine besondere Gefahr geht von dem Braunkohlekraftwerk Niederaußem aus, welches nur 20 Kilometer westlich von Köln steht. Das Kraftwerk würde laut der Studie 93 Todesfälle pro Jahr verursachen. Die insgesamt vier Kraftwerkskomplexe des Rheinischen Braunkohlereviers wären zusammen für 766 Todesfälle verantwortlich.
RWE kann dieses Kraftwerk mit dem Namen BoAplus nur dann errichten, wenn der Regionalrat einer Änderung des Regionalplans zustimmt. Die Entscheidung über eine mögliche Änderung findet voraussichtlich am 5. Juli statt.

Politik gefragt: Bevölkerung schützen
„Bei Kohlekraftwerken kommt der Tod aus dem Schlot“, sagt Alex Oslislo, Energieexperte von Greenpeace Köln. „Wir fordern Herrn Deppe als Vorsitzender und alle Regionalratsmitglieder auf, gegen den Bau von BoAplus zu stimmen und die Bevölkerung nicht diesen zusätzlichen Gesundheitsbelastungen auszusetzen.“ Für die Übergangszeit müssen alle Kohlekraftwerke mit der besten verfügbaren Filtertechnik ausgerüstet werden um Schadstoffemissionen zu verringern.

766 vorzeitige Todesfälle infolge schadstoffbedingter Erkrankungen
Allein für die vier Kraftwerkskomplexe des Rheinischen Braunkohlenreviers wurden für 2010 folgende Zahlen errechnet: 766 vorzeitige Todesfälle, 8.191 verlorene Lebensjahre und 173.639 verlorene Arbeitstage. Auch für das geplante Braunkohlekraftwerk BoAplus in Niederaußem wurde eine Prognose erstellt. Es wäre verantwortlich für jährlich 93 zusätzliche Todesfälle, 996 verlorene Lebensjahre und 21.100 verlorene Arbeitstage infolge schadstoffbedingter Erkrankungen. Würde dieses neue Kraftwerk in Niederaußem gebaut, müssten diese Werte wegen seiner Laufzeit von 40 Jahren entsprechend multipliziert werden.

Analyse durch Institut der Uni Stuttgart
Die am 3.4. veröffentlichte Studie von Greenpeace Deutschland untersuchte die Ausbreitung der Schadstoffe in der Atmosphäre und zeigt erstmals auf, für welche Gesundheitsschäden die insgesamt 67 schädlichsten deutschen Kohlekraftwerke verantwortlich sind. Durchgeführt wurde die Analyse durch das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart.

Herzinfarkte, Lungenkrebs, Asthmaanfälle
Die Freisetzungen im Jahr 2010 führten danach zum vorzeitigen Tod von rund 3.100 Menschen, was einem Verlust von insgesamt 33.000 Lebensjahren entspricht. Hinzu kommt der Ausfall von etwa 700.000 Arbeitstagen durch feinstaubbedingte Atemwegserkrankungen, Herzinfarkte, Lungenkrebs und Asthmaanfälle. Verantwortlich hierfür sind die giftigen Emissionen aus Kohleschloten wie Schwefeldioxid, Stickoxide, Ruß und Feinstaub. Die mikroskopisch kleinen Teilchen dringen beim Einatmen tief in die Lunge und in die Blutgefäße ein und können dann zu Organschäden führen.

Greenpeace fordert einen vollständigen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis zum Jahr 2040. Die besonders schädliche Braunkohle muss bis spätestens 2030 auslaufen.

Zur Studie:
Kohle-Gesundheitsreport