Die Stadt Köln und RWE

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Ein Hintergrundartikel zu unserer Divestmentkampagne.

Im Dezember 2015 haben wir die Kölner Divestment-Kampagne gestartet. In diesem Artikel wollen wir versuchen die Verflechtung zwischen der Stadt Köln und RWE transparent zu machen. Außerdem geben wir eine Einschätzung bezüglich der Aufspaltung von RWE und weisen auf die Gefahren der Kohlenstoffblase hin. Viel Spaß beim Lesen.

Verflechtung zwischen der Stadt Köln und RWE

Die Stadt Köln hat 2005 ihre restlichen 1,4 Millionen RWE-Aktien an die städtische Tochter GEW Köln AG übertragen. Die Kämmerin Frau Klug erklärte uns: „Im Rahmen der im Jahr 2013/2014 erfolgten Neustrukturierung des Beteiligungsmodells über die RW Holding AG an der RWE AG hat die GEW Köln AG 34,43 % der Anteile an der RW Gesellschaft für Anteilsbesitz II mbH erworben und sämtliche von ihr gehaltenen Aktien der RW Holding AG in die RW Gesellschaft für Anteilsbesitz II mbH eingebracht. Die mittelbare Beteiligung der GEW Köln AG an der RWE AG beträgt über das Pool-Modell 0,24 %.“

Da die Verschachtelungen der Beteiligung der Stadt Köln an RWE sehr komplex ist, haben wir dazu ein paar Schaubilder erstellt (siehe Anhang dieses Artikels). In diesen Schaubildern haben wir nicht nur die Verflechtungen der Gesellschaften dargestellt, sondern auch die Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzenden aufgeführt.

RWE AG: 100% Kohle und Atom

RWE hat sich in diesem Jahr in zwei Unternehmen aufgespalten: ein neues Unternehmen mit dem Namen „RWE International SE“ und die „alte“ RWE AG. Das bedeutet, dass die Stadt Köln als Inhaberin von Aktien des alten RWE-Konzerns zukünftig Anteile an einem Unternehmen hält, welches seinen Strom ausschließlich in Atom- und Kohlekraftwerken produziert.

Dass die RWE AG weiterhin an der Braunkohle festhalten will, zeigen die Aussagen vom Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Hartung (siehe Anhang dieses Artikels). Demnach will RWE bis mindestens 2050 die Braunkohle-Tagebaue weiterbetreiben. RWE plant sogar noch ein neues Braunkohlekraftwerk in Niederaußem für mindestens 1,5 Mrd. €. "Es kann nicht sein, dass ein reiner Atom- und Kohlekonzern mit Investitionen aus öffentlichen Geldern gestützt wird. Dies ist finanzpolitisch hochriskant und klimapolitisch unverantwortbar!", Tim Petzoldt von Greenpeace Köln.

Über die US-Tochtergesellschaft „RWE Trading Americas Inc.“ ist RWE an dem Kohle-Unternehmen Blackhawk Mining LLC finanziell beteiligt. Blackhawk Mining betreibt in den USA das extrem umwelt- und gesundheitsschädliche Mountain Top Removal-Verfahren zur Kohleförderung und sieht sich in den USA tausenden von Umweltklagen und Schadensersatzklagen von gesundheitlich Geschädigten gegenüber. Aus diesem Grund werden Investitionen in Blackhawk Mining als „Paria-Investition“ eingestuft. So bezeichnen Anleger Unternehmen, von denen man aus ethischen Gründen besser die Finger lässt. Eine Reihe Großbanken wie die Bank of America, die Schweizer UBS oder Frankreichs BNP Paribas haben erklärt, sich aus der Finanzierung des MTR-Abbaus zurückzuziehen.

RWE-Aktien sind spekulative Anlagen

Viele Kommunen in NRW haben in der Vergangenheit RWE-Aktien gekauft, um die jährlichen Dividenden zu erhalten. Die RWE-Dividendenausschüttungen haben sich seit 2008 von 4,50 € auf 0 € für 2015 verringert. Seit achteinhalb Jahren ist die Konzern-Entwicklung negativ und es zeichnet sich ab, dass es auch in den nächsten Jahren keine Dividende geben wird. Aufgrund der langfristigen Verträge werden sich die aktuellen niedrigen Strommarktpreise erst in den kommenden Jahren im operativen Geschäft und damit in der Bilanz des wankenden Riesen niederschlagen.

Der Aktienkurs von RWE stieg bis 2008 auf einen Wert von 100 €. Aktuell liegt der RWE-Aktienkurs bei ca. 12 €. Warum einige Kommunen noch die Hoffnung hegen, dass der Aktienkurs von RWE wieder steigt, können wir nicht nachvollziehen.

Die RWE AG ist nicht mehr im EURO STOXX 50 und droht 2016 auch aus dem DAX 30 herauszufallen. In den letzten 15 Jahren haben sich die Bewertungen von RWE durch die großen Rating-Agenturen Standard & Poor's und Moody's nicht verbessert, sondern immer weiter verschlechtert. Aktuell wird RWEs Kreditwürdigkeit bei der Rating-Agentur Moody's auf „Baa3“ eingestuft, und bei Standard & Poor's auf „BBB-“ mit negativen Ausblick.

Die Kohlenstoffblase

Unter der Kohlenstoffblase versteht man die Spekulationsblase, die sich aus der Unvereinbarkeit der in Paris vereinbarten 2 Grad-Grenze mit der Investition in solche Unternehmen ergibt, die fossile Brennstoffe Kohle, Erdöl und Erdgas fördern und verbrennen.

Da bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad unumkehrbare Kipppunkte drohen, gilt dieser Wert in der internationalen Staatengemeinschaft als nicht verhandelbar. Bei einem weiterhin ungebremsten globalen Treibhausgas-Ausstoß wird dieser Wert bereits Ende der 2020er Jahre überschritten sein.

Um das zu verhindern, müssen mindestens 80% der fossilen Reserven im Boden bleiben. Dadurch droht eine deutliche Wertminderung für zahlreiche Unternehmen der fossilen Energiewirtschaft, da sie die Förderrechte in ihren Bilanzen als Vermögenswert eingestellt haben. Die Überbewertung dieser fossilen Energiereserven wird mit Verweis auf das Carbon Tracker & Grantham Institute auf 27 Billionen US-Dollar geschätzt (Michael Jakob, Jerome Hilaire: Unburnable fossil-fuel reserves. In: Nature 517, (2015), 150f). Bei der Kohlenstoffblase könnte es sich somit um die größte Spekulationsblase der bisherigen Geschichte handeln. Allein sieben der zehn größten Unternehmen der Welt sind im Bereich Erdöl und -gas tätig und sind damit von massiven Wertverlusten durch die Kohlenstoffblase direkt betroffen – ebenso wie Investitionen in RWE.

(Die Informationen in diesem Text sind intensiv und gewissenhaft recherchiert worden. Sollte sich dennoch ein Fehler eingeschlichen haben, möchten wir um Benachrichtigung bitten, damit wir diesen umgehend korrigieren können.)

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