Die Verkehrswende angehen

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Mehr Platz für Radfahrende und zu Fuß gehende machen Städte lebenswerter - und gesünder. Gerade jetzt im Angesicht der Corona-Pandemie, wo wir Abstand halten müssen, ist der Radverkehr die ideale Form der städtischen Mobilität. Und gerade jetzt haben wir damit die Chance, die Verkehrswende endlich einzuläuten. Wie das in Köln aussehen kann und dass wir diese Chance jetzt nicht vertun dürfen, zeigen wir zusammen mit anderen Verkehrswende-Initativen mit verschiedenen Aktionen in der Kölner Innenstadt. Text: Valeska Götz

In den vergangenen zwei Wochen haben sich die Ehrenamtlichen von Greenpeace Köln mit mehreren anderen Akteuren wie der Kidical Mass Köln, Radkomm, dem ADFC Köln, dem Verkehrsclub Deutschland, RingFrei oder Agora Köln zusammengeschlossen und bereits zwei Pop-Up Bike Lane-Demos in Köln mitorganisiert. Bei diesen Aktionen haben wir uns Ecken in Köln herausgesucht, an denen die vorhandenen Radwege teils sehr eng oder unübersichtlich gestaltet sind, und in diesen Bereichen jeweils eine Autospur zu einem Fahrradweg umgestaltet. Der Vorteil: viel Platz zum Fahrradfahren und problemloses Einhalten des Corona-Mindestabstandes. Die beiden Aktionen fanden am Aachener Weiher und auf der Hahnenstraße von Neumarkt Richtung Rudolfplatz statt. Das führte zu viel Lächeln, Daumen hoch und Bewegungsfreiheit unter den Fahrradfahrenden. Ein voller Erfolg für uns und viel Zustimmung in Köln für mehr solcher Radwege!

Aber was möchten wir damit in Köln und deutschlandweit erreichen?

Wir fordern mehr solcher temporären Radwege, um den Menschen in der Corona Zeit Alternativen aufzuzeigen. Aus Angst vor Ansteckung meiden viele Bus und Bahn und steigen auf das Auto um. Das würde in Deutschland einen Anstieg bis zu 20 Milliarden zurückgelegten Personenkilometern pro Jahr und einen zusätzlichen Ausstoß von 3 Millionen Tonnen CO2 zur Folge haben. Eine klimafreundlichere Lösung wäre das Fahrrad, und mit sicheren und breiteren Radwegen fühlten sich viele sicherer und wären nicht gezwungen, ein Auto zu nutzen. Viele Städte weltweit, unter anderem Brüssel, Bogotá oder New York, gehen schon mit gutem Beispiel voran: Fahrspuren werden in temporäre Radwege umgewandelt, Nebenstraßen autofrei gemacht oder Parkplätze, die Gehwege zu sehr einengen, für Autos gesperrt. Hier muss Deutschland noch nachziehen. Bisher ist lediglich Berlin auf diesen Zug aufgesprungen und hat seit Ende März 2020 eine beachtliche Serie von insgesamt 15km Pop-Up Radwegen eingerichtet. Wir finden, dass sich die Stadt Köln daran ein Beispiel nehmen und ebenfalls mehr temporäre Radwege einrichten sollte! Mit unseren Pop-up Bike Lane-Aktionen haben wir gezeigt, dass temporäre Radwege in kürzester Zeit ohne viel Aufwand und Kosten eingerichtet werden können.

Und solche temporären Radwege könnten auch eine dauerhafte Lösung werden, um Städte neu zu denken, den Platz für Autos zu reduzieren und dadurch einen nachhaltigen Ausbau der Infrastruktur für Fahrradfahrende und zu Fußgänger*innen zu fördern. Eine Senkung des CO2-Ausstoßes auf deutschen Straßen und eine bessere Luftqualität wären sehr positive Nebeneffekte.

Sauberer Neustart statt Auto-Kollaps: Gegen eine Autokaufprämie

Beim sogenannten Auto-Gipfel, der im Juni stattfinden soll, diskutiert die Bundesregierung bereits zum zweiten Mal über eine potenzielle Autokaufprämie. Dagegen möchte sich Greenpeace Köln klar positionieren und demonstriert deswegen am 30.05.2020 am Neumarkt. Mit selbst gebauten „Gehzeugen“ symbolisieren wir den Flächenverbrauch, den Autos in der Stadt einnehmen. Die Bundesregierung hat erst kürzlich bestätigt, dass Konjunkturprogramme mit Umweltauflagen verknüpft werden müssen, um die Wirtschaft für die Zeit nach der Coronakrise anzuregen. Dem stimmen wir zu. Und umso paradoxer ist doch, dass trotzdem eine zweite Abwrackprämie im Gespräch ist. Wir finden, dass nicht nur Industrien mit großer Lobby von staatlichen Investitionen profitieren sollten. Vielmehr sollten Investitionen für einen Ausbau des ÖPNV, eine bessere Fahrradinfrastruktur oder in erneuerbare Energien getätigt werden, um E-Mobilität zu stärken.

Von Konjunkturprogrammen sollten alle profitieren und nicht nur die großen Autohersteller. Wir fordern eine Mobilitätsprämie für alle, mehr Platz für Fußgänger*innen und Fahrradfahrende, eine Reduktion des Autoverkehrs und finanzielle Unterstützung beim Ausbau kommunaler Radinfrastruktur.

Weiterführende Links

Konzept für ein Aufbauprogramm für saubere Mobilität

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