Offener Brief

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Sehr geehrter Herr Börschel,

Ihr Festhalten an der RWE-Aktie stößt bei uns auf großes Unverständnis. Sie sprechen sich damit für die Unterstützung eines Unternehmens aus, welches zukünftig ausschließlich Kohle- und Atomkraftwerke betreibt. [Vor wenigen Wochen hat RWE die Sparte der Erneuerbaren Energien in das neu gegründete Unternehmen Innogy überführt.]

Wir fragen uns, was Ihre Absichten sind. Setzten Sie darauf, dass RWE zukünftig mit der Braunkohle wieder Profit macht und dass die Stadt Köln dann daran teilhaben kann? Oder wollen Sie sich für einen Kohleausstieg bei der RWE einsetzen? Bitte erläutern Sie uns, mit welchem Ziel und in welcher Weise Sie "den Prozess beeinflussen" wollen.

Wenn wir die in Paris beschlossenen Klimaschutzziele ernst nehmen und die globale Temperaturerhöhung auf 1,5° C beschränken wollen, dann müssten wir in Deutschland bis 2025 aus der Kohleverstromung aussteigen: https://www.greenpeace.de/themen/energiewende/marathon-im-sprinttempo

Wir freuen uns daher zu hören, dass Sie sich dafür einsetzen, dass die RheinEnergie zukünftig verstärkt in Erneuerbare Energien investiert. Gut so. Aber dafür benötigen Sie keine RWE-Aktien. Sie benötigen auch keine Aktien, um auf RWE einzuwirken. Mit ihrem Mandat als Landtagsabgeordneter können Sie sich nicht nur für die lokale Energiewende in Köln einsetzen, sondern auch für die Einhaltung der Klimaschutzziele von Nordrhein-Westfalen. Diese sind nämlich nur zu erreichen, wenn wir jetzt mit dem schrittweisen Kohleausstieg beginnen.

In einem aktuellen Zeitungsartikel der FAZ mit dem Titel "Die letzten Tage von RWE" (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/rwe-vor-dem-aus-14320891.html) wird aufgezeigt, wie finanziell schlecht aufgestellt RWE ist und dass dieser Kohle- und Atomkonzern eben nicht zukunftsfähig ist.

Wir möchten Sie daher noch einmal dazu aufrufen, den Verkauf der RWE-Aktie auch in Köln einzuleiten und in einem ersten Schritt die Beteiligung an der „RW Gesellschaft für Anteilsbesitz II mbH“ zu kündigen.

Wie in der WAZ zu lesen war, haben Bochum und Mülheim diesen Schritt bereits vollzogen.

02.05.2016: Mehrere Revier-Kommunen erwägen Trennung von RWE-Aktien
http://www.derwesten.de/wirtschaft/mehrere-revier-kommunen-erwaegen-trennung-von-rwe-aktien-aimp-id11789266.html

18.06.2016 Bochum: RWE-Schachtel aufgeben
http://www.derwesten.de/staedte/bochum/rwe-schachtel-aufgeben-aimp-id11928100.html

02.07.2016 Bochum: RWE-Aktien unter Kontrolle
http://www.derwesten.de/staedte/bochum/aus-dem-rat-aimp-id11968790.html

02.07.2016 Mülheim: Kämmerer: Stadt könnte die RWE-Aktien abstoßen
http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/kaemmerer-stadt-koennte-die-rwe-aktien-abstossen-aimp-id11968637.html

Derzeit liegt der Kurs der RWE-Aktie bei 15,59 Euro. Retten Sie die 23,4 Millionen Euro und investieren Sie diese in Erneuerbare Energien! Damit können Sie in Köln ein klimapolitisches Zeichen setzen, welches in Nordrhein-Westfalen, als Bundesland mit dem größten Kohlestromanteil, sehr wichtig ist.

Mit freundlichen Grüßen,
Tim Petzoldt, Greenpeace Köln
Nina Emmerich, Fossil Free Köln