Protest in 23 Städten

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Gegen den geplanten Bau eines knapp acht Kilometer langen Amazonas-Staudamms unter möglicher deutscher Beteiligung protestierten Greenpeace-Freiwillige am Samstag in 23 deutschen Städten. Die Umweltschützer errichteten symbolische Baustellen und informierten über die katastrophalen Auswirkungen, die der Bau des São-Luiz-do-Tapajós-Staudamms für Mensch und Natur hätte. Greenpeace Köln beteiligte sich an der bundesweiten Aktion mit einer symbolischen Zwangsräumung auf der Domplatte.

Der geplante Damm wäre der erste von über 40 geplanten Staudämmen im brasilianischen Regenwald. Sein Bau bedroht die Heimat des indigenen Munduruku-Volkes. In der Vergangenheit war auch Siemens am Bau von Amazonas Staudämmen beteiligt. Trotz weltweiter Proteste hat sich der deutsche Konzern bislang nicht von dem Projekt distanziert. „Der Tapajós-Staudamm würde Tausende Quadratkilometer intakten Urwald zerstören und die Munduruku aus ihrer Heimat vertreiben. Siemens muss sich öffentlich von diesem zerstörerischen Projekt distanzieren“, fordert Christoph Brade von Greenpeace Köln.

Betroffene müssen die Möglichkeit bekommen, sich zu äußern

Siemens war bereits an vier Dämmen im Amazonas beteiligt und könnte auch Teile für den geplanten Tapajós-Staudamm liefern. Mehr als 20.000 Menschen wurden alleine für den mit Siemens Unterstützung errichteten Belo-Monte-Staudamm umgesiedelt – gegen ihren Willen. Eine Arbeitsgruppe des UN-Menschenrechtsrats hat das Belo-Monte-Projekt untersucht. Die Empfehlung des Rats: In Brasilien tätige Unternehmen müssen Betroffenen die Möglichkeit geben, sich zu äußern, bevor sie ein Projekt zusagen. „Die Position der Munduruku ist klar: Sie wollen durch den geplanten Tapajós-Staudamm nicht ihre Heimat verlieren. Siemens muss das respektieren und sich klar von dem Projekt distanzieren“, sagt Jannes Stoppel, Waldexperte bei Greenpeace.

Die deutschlandweiten Proteste gegen Siemens sind Teil einer internationalen Greenpeace-Kampagne zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes. Die Munduruku kämpfen seit Jahrzehnten für die offizielle Anerkennung ihres Landes – jetzt werden sie mit Hilfe einer Petition von über einer Million Menschen dabei unterstützt. Auch bei der Kölner Aktion wurden Unterschriften zur Unterstützung gesammelt.

Siemens muss klar Stellung beziehen, der Amazonas muss geschützt werden

Das Tapajós-Tal zählt zu den artenreichsten Regionen der Erde. Sie ist Heimat und Lebensgrundlage der Munduruku und Lebensraum für Jaguar, Flussdelfine und Hunderte von Fisch- und Vogelarten. Der Amazonas-Regenwald ist zudem von herausragender Bedeutung für unser Klima. „Sogar der brasilianische Umweltminister nennt den Staudamm unnötig. Wie Greenpeace unterstützt auch er den Ausbau von Solar- und Windkraft. Siemens hat mit dem Kauf des Windkraftanlagenherstellers Gamesa eine starke Position in Brasilien. Statt den Amazonas zu zerstören, muss der Konzern in Brasilien mehr in Windkraft investieren“, so Stoppel.

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